Psychoanalyse und Film: Vor der Morgenröte

Dauer 106 Minuten FSK 0

Maria Schrader hat in ihrer zweiten Regiearbeit einen Film vorgelegt über ein Europa vor dem Hintergrund eines brutalen Krieges, was diesen Film heute wieder noch aktueller macht. Es ist ein Film über das Exil am Beispiel von Stefan Zweig, auch darüber, was Exil bedeutet, insbesondere für einen Schriftsteller, der nicht nur seiner Heimat, seiner Freunde, sondern besonders seiner Sprache beraubt wurde. Insofern ist es ein politischer Film auch zur aktuellen Migrationsdebatte.

Der Film selbst ist zugleich eine psychologische Studie über Stefan Zweig und das, was genereller gesehen die Erfahrungen von Krieg, Vertreibung und Fremdsein mit einem Menschen machen. Mein Blick richtet sich zudem auf die Sprache des Films, nämlich wie erzählt wird. Aus psychoanalytischer Perspektive versuche ich, äußere, sprich reale, und innere Heimatlosigkeit zu untersuchen. Ich fasse diesen Film auf als ein kreatives Produkt von Verschränkungen von Außen- und Innenwelt beim Protagonisten, der zunehmenden Verwirrung, diese Ebenen auseinander zu halten, eine Entwicklung, die schließlich in einem Suizid endet. Gleichzeitig vollzieht sich ein analoger Prozess beim Zuschauer, der mit in diese Strudel hineingezogen wird. Die konflikthafte Innenwelt des Protagonisten betrifft uns selbst, so wird unser eigener innerer Raum aufgeschlossen und berührt, wir werden dem Rätselhaften, dem Ungewissen ausgesetzt, das sich ihn uns befindet.

B/R: Maria Schrader. D: Josef Hader, Barbara Sukowa, Mathias Brandt, Charly Hübner. Deutschland, Frankreich, Österreich 2016, FSK: ab 0, 106 Min.

Der psychoanalytische Kommentar kommt diesmal von Frau Dr. phil. Cornelia Hartmann-Jansen

Dr. phil. Cornelia Hartmann-Jansen, Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin, Lehr- und Kontrollanalytikerin (DPG), Gruppenanalytikerin (Gras), niedergelassen in eigener Praxis in Münster. Tätig als Psychoanalytikerin, Lehrtherapeutin und Supervisorin in verschiedenen psychoanalytischen und psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten.

 

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08. März