Psychoanalyse und Film: Poor Things
Dauer 142 Minuten FSK 16
Produktion USA 2023
Darsteller:innen Emma Stone, Willem Dafoe, Mark Ruffalo u.a.
Referent: Prof. Dr. Dirk Blothner, Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Lehranalytiker (DGPT), Intensivberater (WGI). Seit 1989 in eigener Praxis in Köln tätig, seit 1996 außerordentlicher Professor für Psychologie an der Universität Köln. Dozent und Lehranalytiker an verschiedenen Kölner Weiterbildungsinstituten, Dozent an verschiedenen Filmhochschulen. Mitglied des Advisory Boards von ScriptWriter, London. Als Consultant beteiligt an der Entwicklung mehrerer, auch internationaler Filmstoffe. Mitherausgeber der Zeitschrift anders Zeitschrift für Psychologische Morphologie. Gründungsmitglied des Arbeitskreises Filmpsychoanalyse Mannheim. Über 100 Veröffentlichungen zur Wirkungs- und Psychoanalyse des Films.
Zum Film: Der Film Poor Things ist in jeder Beziehung ein ungewöhnlicher Film. Indem die Story auf Mary Shelleys Roman Frankenstein (1818) zurückgreift, entnimmt sie die Hauptfiguren einer Fantasy- und Horrorwelt. Das beeindruckende Design der Drehorte ist angesiedelt zwischen dem viktorianischen Stil des 19. Jahrhunderts, dem Surrealismus und hat zudem futuristische Züge. Und dennoch erzählt der Film eine bewegende und psychoanalytisch nachvollziehbare Geschichte. Herr Prof. Dr. Blothner geht in seinem Vortrag von der Beschreibung des Films und seiner Wirkung aus. Er arbeitet das psychische Drama des Films heraus, in das dieser seine Zuschauer*innen einbezieht. Dabei wird deutlich, dass die Konstruktion einer erwachsenen Frau mit kindlicher Psyche irritierende Einsichten in das Freud'sche Konzept der "infantilen Sexualität" (1905) erlaubt. Weil auch damit das Universum von Poor Things noch nicht erfasst ist, geht Herr Prof. Dr. Blothner schließlich auch auf den Mythos ein, der sowohl dem Roman Frankenstein als auch Giorgos Lanthimos Film Poor Things unterlegt ist: "Prometheus". Mit den genannten Perspektiven nimmt Herr Prof. Dr. Blothner in seiner Filmanalyse den Film als ein ganzheitliches Werk in den Blick.