Psychoanalyse u. Film: The Straight Story - Eine wahre Geschichte
Dauer 112 Minuten FSK 0
Produktion USA/Frankreich/GB 1999
Darsteller:innen Everett McGill, Jane Heitz, Richard Farnsworth, Sissy Spacek u.a.
Referentin:
Claudia Melcher, Dipl.-Sozialpädagogin, Dipl.-Psychologin, psychologische Psychotherapeutin (TP/AP), Psychoanalytikerin (DGPT), niedergelassen in eigener Praxis in Bielefeld, Dozentin, Lehrtherapeutin und Supervisorin in der Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeut*innen. Mitglied am Alexander-Mitscherlich-Institut in Kassel. Seit 2022 in der Arbeitsgruppe Psychoanalyse und Film in Bielefeld aktiv, die Filmvorstellungen im Lichtwerkkino Bielefeld mit verschiedenen ReferentInnen organisiert.
Zum Film:
Der 73-jährige Alvin Straight (Richard Farnsworth) aus Iowa begibt sich auf eine unglaubliche Reise. Als er hört, dass sein Bruder Lyle (Harry Dean Stanton), mit dem er seit einem Streit vor zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte, schwer krank ist, beschließt Alvin sich mit ihm auszusöhnen. Da er weder einen Führerschein noch seine volle Sehstärke besitzt und sich von niemandem fahren lassen möchte, fährt der sture Rentner die 400 Meilen bis nach Wisconsin kurzerhand selbst – auf einem motorisierten Rasenmäher mit selbstgebautem Anhänger.
Kult-Regisseur David Lynch inszenierte nach der wahren Geschichte von Alvin Straight einen einzigartigen, entschleunigten Roadtrip voller Wärme und Lebensweisheit. Die kongeniale musikalische Begleitung komponierte Angelo Badalamenti. Neben Hauptdarsteller Richard Farnsworth, der für seine zutiefst berührende Rolle mit einer Oscar®-Nominierung geehrt wurde, glänzt u.a. Oscar®-Preisträgerin Sissy Spacek („Nashville Lady“, „Carrie“) als Alvins Tochter Rose.
David Lynchs Film The Straight Story kommt als amerikanisches Roadmovie daher, mit Anklängen an den Wilden Westen, Sonnenuntergängen, Lagerfeuerromantik. Doch dahinter tritt immer wieder eine düstere Gegenwelt zum Vorschein. Diese zeigt sich auf der Reise des 73jährigen Alvin in ihrer Schlichtheit in den Höhen und vor allem Tiefen eines ganzen Lebens. In die Beobachtungsebene fließen träumerische und symbolhafte Bilder mit ein. Psychische Themen von Erinnerungs- und Verdrängungsleistung werden berührt, dabei geht es um eine nachträgliche Durcharbeitung in Zusammenhang mit u.a. Schulddynamiken, Verlust und Trauerdynamiken. Zentral für die Film-Psychoanalyse ist es, die Beziehung zwischen Innen- und Außenwelt zu diskutieren. In unserem unmittelbaren Filmerleben und Filmverständnis richten wir auch den Blick nach innen. Wir kommen auch mit unserer inneren Welt in Berührung. In der filmpychoanalytischen Betrachtung soll der Blick darauf gerichtet werden, welche intersubjektive Begegnung sich zwischen Zuschauenden und Film realisiert. Denn: Wir sehen alle unseren je eigenen Film.
R: David Lynch.