Psychoanalyse u. Film: Schwarze Milch
Dauer 92 Minuten FSK 12
Produktion Deutschland 2020
Darsteller:innen Gunsmaa Tsogzol, Uisenma Borchu, Franz Rogowski u.a.
Zu Gast sein werden die Regisseurin des Films Uisenma Borchu sowie die Referentin Dipl.-Psych. Lisa Werthmann-Resch.
Zur Regisseurin:
Uisenma Borchu ist eine mongolisch-deutsche Regisseurin und Schauspielerin. Sie studierte Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Filmographie (Auswahl): 2022 I Tatort: Leben Tod Ekstase (Fernsehreihe); 2022 I Das Netz – Prometheus (Fernsehserie); 2020 | SCHWARZE MILCH, Kinospielfilm (Regie, Drehbuch, Hauptrolle); 2015 | SCHAU MICH NICHT SO AN, Kinospielfilm (Regie, Drehbuch, Hauptrolle); 2012 | PREIS DES GOLDES, Dokumentarfilm (Schnitt); 2011 | HIMMEL VOLLER GEIGEN, Dokumentarfilm (Regie, Drehbuch); 2007 | DONNE-MOI PLUS, Kurzfilm (Regie, Drehbuch) Theater: 2017 | NACHTS, ALS DIE SONNE FÜR MICH SCHIEN, Schauspiel (Text, Regie) Münchner Kammerspiele, Preise/Auszeichnungen (Auswahl): 2016 | Grand Prix New Talent Competition, Taipei Film Festival; 2015 | Bayerischer Filmpreis für Nachwuchsregie; 2015 | FIPRESCI-Preis, Filmfest München; 2012 | Megaherz Film School Award, DokFest München.
Zur Referentin:
Dipl.-Psych. Lisa Werthmann-Resch ist als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin für Kinder und Erwachsene in eigener Praxis in Marburg tätig. Supervisorin, Dozentin und Lehranalytikerin (DPV/DGPT/IPA); 2021 - 2023 Vorsitzende der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV); Publikationen zu: Therapie von Kindern; psychoanalytische Filminterpretation; psychoanalytische Konzeption der Geschwisterdynamik; „Hoffnung“, „Einsamkeit“.
Abstract zum Vortrag:
Vor der Kulisse der mongolischen Steppe wird in dem Film „Schwarze Milch“ mit ruhigen intensiven Kamera-Einstellungen, welche sich auf Landschaft und Porträt richten, die Geschichte „Wessis“ erzählt. Sie hat in ihrer Kindheit die Mongolei verlassen, ist in Deutschland aufgewachsen und befindet sich als Erwachsene auf der Suche nach ihren Erinnerungen, ihrer Heimat, ihrer inneren Verankerung und der Festigung ihrer weiblichen Identität. Mit großer Direktheit und Sinnlichkeit begegnet sie den Bindungen an ihre Familie, Nachbarn, an die Natur, an Rituale der mongolischen Nomaden und beforscht deren kulturell angelegte Geschlechtertrennung. Durch ihre Offenheit geraten die Dinge in Bewegung. Eindringlich wird eine Familiengeschichte von Wärme und Vertrautheit, aber auch Entfremdung und Rätselhaftigkeit erzählt. Dabei wird die Handlung eher still beobachtet als vorangetrieben. In die Beobachtungsebene fließen träumerische, symbolhafte Bilder mit ein. Da Erinnern und Vergessen die Psyche in das Erleben von Zeit einbettet, berührt der Film psychische Themen von Erinnerungs- und Verdrängungsleistung, nachträglicher Bearbeitung in Zusammenhang mit Verlust- und Trauerdynamiken sowie die Kraft, die sich aus einer inneren Veränderungsbereitschaft ergibt.
In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen...
R: Uisenma Borchu.